Was bei häuslicher Gewalt während der Quarantäne zu tun ist


(Original: O que fazer em caso de violência doméstica durante o isolamento, by  David Torres)

Die ersten Wochen der Isolation haben uns erschreckende Daten darüber gebracht, wie stark die häusliche Gewalt und damit die Gewalt gegen Frauen in unserem Land (Anm.: Brasilien) zugenommen hat. Als wäre es nicht schon genug, dass der gesellschaftliche Druck auf die Frauen in Form der ihnen zugeschrieben Rolle als Hausfrau während der Quarantäne stark zugenommen hätte, verwandelte sich nun auch noch das Zuhause in eine feindliche Umgebung.

Ein Problem, dass nicht nur in Brasilien beobachtet wurde. Auch China und Italien haben einen Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt während der notwendigen Isolation zur Bekämpfung von Covid-19 ausgemacht. Das zeigt uns, dass es nicht nur ein kulturelles Problem ist, dass es in den verschiedenen Ländern zu überwinden gilt, sonder, dass es vor allem ein strukturelles Problem ist. Am Ende hat das Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit der Frauen, der Kinder und der Verwandten, die ihnen in diesen Momenten nahe sind und es ist Aufgabe des Staates etwas dagegen zu tun.

In Anbetracht auf die Vernachlässigung und Banalisierung, die unsere aktuelle Regierung im Bezug auf häusliche Gewalt demonstriert (der Generaldirektor selbst wurde schon wegen Anstiftung zur Vergewaltigung verurteilt und bestätigt, dass es normal sei Frauen schlagen zu dürfen, wenn zu wenig Brot im Haus sei), müssen wir selbst Strategien entwickeln, um diese Gewalt im Hinblick auf das Wohlergehen und die körperliche Unversehrtheit dieser Frauen zu bekämpfen. Grundlagen unserer Selbstverteidigung im Jiu-Jitsu.

Wir müssen uns immer darüber bewusst sein, dass die Frauen zunehmend an Gewalt leiden. Wie ich am Anfang des Textes sagte, ist die Situation selbst schon anstrengend und gewaltvoll. Deswegen müssen wir an erster Stelle dafür kämpfen, dass Personen, die in einer übergriffigen Beziehung leben, sich nicht allein fühlen oder Angst haben.

Wenn wir feststellen, dass jemand unter häuslicher Gewalt leidet, ist es egal ob es ein*e Trainingspartner*in ist oder nicht, wir müssen die Person unterstützen und ihr bei der Suche nach rechtlicher und psychischer Unterstützung helfen. Eine Gruppe, die Unterstützung anbietet, ist die Gruppe Justiceiras. Sie wurden von meiner Kollegin Tatiana Peev in ihrem Artikel bereits vorgestellt. Es gibt zahlreiche weitere Unterstützungsangebote online, so zum Beispiel die Apps Penhas, SOS Mulher, Salve Maria, Me Respeita oder die Websites Mapa do Acolhimento e Conexões que salvam.
Und natürlich ist es wichtig, die Täter bei den zuständigen Polizeidelegationen zu melden.

Die Zeit der Quarantäne bringt für Opfer häuslicher Gewalt starke psychologische Hindernisse, wenn es darum geht, das Haus im Notfall zu verlassen. So zum Beispiel finanzielle Abhängigkeit oder die Sorge um die eigenen Kinder. Das Selbstbewusstsein der Opfer ist oftmals beeinträchtigt und es kann sein, dass sie denken ohne den Täter nichts Wert zu sein. Sie haben Angst ihre familiäre Struktur zu verlieren, dass ihnen die Kompetenz für die Erziehung ihrer Kinder abgesprochen werde oder sogar Freund*innen zu verlieren. Also vorsicht, wenn ihr die Situation des Opfers kritisiert oder abwertet. Das hilft nicht.

Folgende Handlungsweisen des Täters sind normalerweise zu beobachten. Versucht diese zu erkennen um euch selbst oder Freund*innen besser schützen zu können.

Phase 1
Er macht aggressive Witze.
Er erpresst.
Er lügt.
Er ignoriert die Frau.
Er ist Eifersüchtig.
Er überträgt die Schuld auf die Frau.
Er demütigt.
Er schüchtert ein.
Er bedroht.

Phase 2
Er verbietet der Frau jede Aktivität.
Er zerstört persönliches Eigentum.
Er deutet an, sie schlagen zu wollen oder schlägt

Phase 3
Er tritt die Frau.
Er engt sie ein.
Er bedroht sie mit Gegenständen oder Waffen.
Er bedroht ihr Leben.
Er vergewaltigt. Er verstümmelt.

Solltest du einen Teil dieser Verhaltensweisen beobachten, ist es wichtig, sich Strategien zu entwickeln:

  • Versuche nicht in Räumen zu diskutieren, die dem Täter Waffen liefern. Einer der gefährlichsten Räume ist die Küche – dort gibt es Messer, Gabeln und andere scharfe Gegenstände;

  • Versuch den Zugang zu den Türen zu erleichtern und lass sie unabgeschlossen – für den Fall, dass du fliehen musst;

  • Vereinbare mit deine Nachbar*innen oder Familienangehörigen akustische Signale, mit denen du sie darauf aufmerksam machen kannst, dass dir Gewalt widerfährt (Du kannst auf Töpfe schlagen, pfeifen) oder schrei nach Hilfe.

  • Hab immer die Notrufnummer in deinem Telefon, so dass du sie jederzeit anrufen kannst und versuche außerdem eine Strategie zu entwickeln, dein Telefon immer bei dir zu haben;

  • Lass Kleidung und einige Dokumente bei deinen Freund*innen, so dass du im Notfall nicht erst alles zusammensuchen musst und Zeit damit verlierst deine Tasche zu packen

  • Mach dir, wenn es möglich ist, einen zweiten Autoschlüssel. Es besteht die Gefahr, dass der Täter den Schlüssel versteckt, wenn er merkt, dass du flüchten möchtest.

Das Beobachten der Signale des Täters und immer vorbereitet zu sein, ist unerlässlich in diesen Zeiten der Quarantäne. Halte immer Kontakt zu deinen Freund*innen, mach deinen Sorgen Luft, keine Frau muss da alleine durch, vor allem nicht in Zeiten der sozialen Isolation.

Wir können uns gegenseitig stärken, indem wir kommunizieren, genauso wie wir Ideen entwickeln können, uns der Situation bestmöglich zu stellen. Informiere dich über die zuständigen Polizeidelegationen oder wähle die 180 um Hilfe zu rufen. Zeig ihn an.


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